Von Mag.a Ines Siegl


Die inneren
vier Jahreszeiten


Jeden Monat gehen Frauen im gebärfähigen Alter durch die vier Zyklusphasen, in denen je nach Hormonausschüttung bestimmte Prozesse ablaufen, ähnlich wie in den vier Jahreszeiten. Die Jahreszeiten werden daher gerne herangezogen, um die unterschiedlichen Qualitäten der vier Phasen greifbarer zu machen. Wer ein Bewusstsein für den eigenen Zyklus entwickelt, kann im Alltag mit dem Rhythmus leben und die jeweiligen Besonderheiten der Abschnitte für sich nutzen, zum Beispiel Termine so legen, dass sie zum Energielevel passen.

Winter (Menstruation):

Die Menstruation bildet Anfang und Ende des Zyklus. Die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut wird abgeblutet, der Hormonstand ist jetzt am niedrigsten. So wie in der winterlichen Natur herrscht nun Einkehr, Ruhe und Rückzug. Draußen haben die Pflanzen ihre Kraft in die Wurzeln zurückgezogen und auch Frau fühlt sich nach innen gewandt, sollte deshalb Stress meiden. Der Hunger ist größer als sonst, das Motto lautet „Winterschlaf“ und das Wärmebedürfnis ist größer. Ideal sind viele Pausen, viel Schlaf und sanfte Bewegung. Während der Menstruation braucht der Körper gesunde Fette mit gutem Verhältnis der Fettsäuren, Vitamin A und hat einen erhöhten Bedarf an Eisen. Weil die Muskelkontraktionen zum Schleimhautabbau viel Magnesium brauchen, sollten Bananen, Cashews und Sonnenblumenkerne in Griffweite sein. Auch ein Magnesium-Komplex kann den Körper rasch versorgen.


Frühling (Prä-Ovulation): 

In der Natur erwacht alles zu neuem Leben, sprießt und gedeiht. In dieser Phase öffnet sich Frau wieder langsam der Welt, Ideen und Motivation fließen wieder. Der Estrogenmangel steigt, die Gebärmutterschleimhaut baut sich wieder auf und einige winzige Eizellen beginnen in den Eierstöcken zu reifen. Der Körper bereitet sich langsam auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Frau fühlt sich ausgeruhter und frischer, kann Ziele besser erreichen, Pläne gezielter umsetzen und der Kreativität freien Lauf lassen. In dieser Phase können probiotische Lebensmittel wie Sauerkraut und Kimchi sowie vitalstoffreiche Keimlinge dabei helfen, die Hormone auszugleichen. Phytohormone wie aus Rotklee und Yams können bei Ungleichgewichten unterstützen. Hormonelle Verhütungsmittel verhindern Heranreifen der Eizellen und Eisprung und unterbinden so den inneren Frühling und Sommer.

Sommer (Ovulation): 

Die Energie ist am Höhepunkt und mit ihr das Selbstbewusstsein – der Eisprung ist die fruchtbarste Zeit im Zyklus. Estrogen- und Testosteronspiegel erreichen das Maximum und ein Ei wird aus dem Eierstock in die Gebärmutter freigesetzt, indem die Hülle dieses Eibläschens platzt. Die Eizelle bewegt sich über den Eileiter in die Gebärmutter. Die Kraft ist nun nach außen gerichtet und die Zeit ist günstig für gesellige Zusammenkünfte und, um Ziele weiterzuverfolgen. Unterstützung aus der Nahrung kommt in Form von ballaststoffreicher Ernährung mit vielen Antioxidantien (Curcuma, Anthocyane, Vitamin C, OPC …). Auch auf eine ausreichende Kalziumversorgung (Sesam, Mandeln, Haselnüsse …) sollte jetzt besonders geachtet werden.

Herbst (Prä-Menstruum):

Draußen fallen langsam die Blätter und es ist Zeit, die Ernte des Jahres einzuholen, den Zyklus zum Abschluss zu bringen. Die wandernde Eizelle ist in der Gebärmutterhöhle angelangt, wo die Schleimhaut jetzt besonders nährstoffreich ist. Während der PMS-Zeit steigen Progesteron- und Estrogenspiegel zuerst an und fallen dann wieder ab, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat – das erzeugt das Auf und Ab der Emotionen sowie der Leistung. Gegen Stimmungsschwankungen hilft, entspannt an alles heranzugehen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Ebenso helfen Spaziergänge und sanfte Yoga-Übungen. Phytohormone sowie Adaptogene wie Rhodiola Rosea können zum Ausgleich herangezogen werden. Adaptogene deshalb, weil auch sie die Eigenschaft haben, den Körper zu regulieren: Wo zu viel ist, regeln sie nach unten, wo zu wenig ist, regeln sie nach oben. Ernährungssünden, auch jene aus den vorherigen Phasen, machen sich jetzt besonders bemerkbar. Auf dem Speiseplan sollten jetzt weniger rotes Fleisch und Milchprodukte stehen, dafür ausreichend Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Kalzium und B-Vitamine (Haferflocken, Roggenbrot, Quinoa, Hülsenfrüchte, Bananen und grünes Blattgemüse …). Mehr Erholungsphasen einplanen – der Körper braucht mehr Ruhe und mehr Schlaf.

Verein Natur heilt – Netzwerk für Kooperation mit und für Natur | Das Magazin | Ausgabe 25 - Frühjahr 2022
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