Hanf
als Medizin

Schon Hildegard von Bingen wusste über die positiven Effekten der unterschiedlichsten Heilkräuter Bescheid.

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Von DGKP Lisa-Maria Ehrenberger-Pesserer

Schon Hildegard von Bingen wusste über die positiven Effekten der unterschiedlichsten Heilkräuter Bescheid. Dabei zählt die Cannabispflanze zu den ältesten Kulturpflanzen in der volksmedizinischen Verwendung. Sie ist äußert widerstandsfähig und hat ihren Ursprung im asiatischen Raum und kam über Vorderasien, Afrika, Arabien und Ägypten Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa. Wegen ihrer vielfältigen Wirkung bei Schmerzen, Spasmen, Asthma und Appetitlosigkeit wurde sie bis in die Neuzeit eingesetzt. 

Mittlerweile kommt Cannabis sativa in allen warmen und gemäßigten Zonen der Erde vor, eine hohe Bedeutung wird dabei den Kultursorten für die Fasergewinnung zugeschrieben und natürlich für die Gewinnung von Marihuana. Durch den hohen Gehalt an Cannabinoiden ist der Anbau in den meisten Ländern gesetzlich geregelt, für den Anbau von Fasergewinnung ist dies meist gestattet, da diese Sorten weitgehend frei von psychotropen Inhaltsstoffen sind. 

Wie funktioniert Cannabis

Cannabis ist die lateinische Bezeichnung der Hanfpflanze, sie enthält spezielle Wirkstoffe, die Cannabinoide genannt werden. Insgesamt gibt es davon über 60 verschiedene, die in der Pflanze nachgewiesen wurden. Die bekanntesten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). 

Um diese zwei Wirkstoffe und ihre Unterschiede besser zu verstehen, müssen wir uns zunächst mit dem endocannabinoiden System beschäftigen. Professor Mechoulan und sein Forschungsteam gelten als Entdecker dieses Systems (ECS). Laut ihnen enthält der menschliche Körper genauso wie alle anderen Säugetiere, Fische, Vögel u. s. w. ein Millionen Jahre altes ECS. Stellen Sie sich das endocannabinoide System als Kommunikationssystem vor, das zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Körper interagiert. 

Endocannabinoide – Die Endocannabinoide sind als wichtige Signalgeber tätig und regeln wichtige Prozesse im Körper.

Exocannabinoide – Die exogenen Cannabinoide wurden bis jetzt in der Natur lediglich in Cannabis nachgewiesen. In den Pflanzen werden diese als Phyto-Cannabinoide benannt. Sie sind den menschlichen Cannabinoiden sehr ähnlich, daher wirken sie, sobald sie im Körper angekommen sind, auf ähnliche Weise.

Die Cannabinoide binden sich dabei an die für sie vorgesehenen Rezeptoren und aktivieren somit die weiteren Vorgänge. Die Rezeptoren bestehen aus Proteinen oder Proteinkomplexen; an diese können sich die Moleküle binden und vermitteln somit die Signale, die wiederum bestimmte Reaktionen hervorrufen können. 

So weit, so gut . . .

Wir kennen nun endogene und exogene Cannabinoide, wissen, was sie in unserem Körper tun und wie sie funktionieren.

Endocannabinoide Substanzen werden als „kurzfristige“ Neurotransmitter bezeichnet, da sie dann synthetisiert werden, wenn akut vom Körper signalisiert wird, dass er diese benötigt, wie zum Beispiel bei der Schmerzhemmung. Bei einem gesunden Körper, der unter Schmerzen leidet, wird das köpereigene Anandamid freigesetzt, das sich in weiterer Folge an CB1-Rezeptoren anbindet. In Gang gebracht wird dies durch den intrazellulären Signalverarbeitungs- und Effektormechanismus, dabei werden Gefühle und das Belohnungssystem durch dieses Molekül beeinflusst. Vergleichbar ist es mit dem Gefühl eines „Läuferhochs“, das bei intensivem Sport gespürt wird.

Ein bedeutender Hanfforscher ist Ethan Russo, er behauptet, dass ein mangelhafter Cannabinoid-Spiegel die Ursache von zahlreichen Krankheiten sein könne. 

Das Zuführen von Exocannabinoiden kann also der Gesunderhaltung dienen, da es die körpereigenen Endocannabinoide nachahmt und somit die Prozesse unterstützt. 

  

Wissenswert: Anandamid erhielt seinen Namen in Anlehnung an das Wort Ananda, das für „Glückseligkeit“ steht.

CBD vs. THC

Cannabidiol (CBD) – ein nichtpsychoaktives Cannabinoid – haben wir schon etwas näher kennengelernt. Doch was hat es nun mit diesem THC (Tetrahydrocannabinol) auf sich? Wichtig zu wissen ist, dass jede Pflanze beides enthält, allerdings liegt bei Nutzpflanzen der THC-Gehalt in einem sehr niedrigen Bereich! Cannabis, Marihuana und Hasch mit hohen THC-Werten zählen ebenfalls zu den natürlichen Mitteln, die jedoch zu den rauscherzeugenden und psychotropen Substanzen zählen. Durch das Erhitzen von THC zum Beispiel durch das Rauchen oder durch Backen von sogenannten Space Cakes wird das „Highsein“ verstärkt. In der gezielt gezüchteten Hanfpflanze liegt der maximale THC-Gehalt unter 0,2 Prozent und liegt damit unter der EU-weiten Höchstgrenze. 

CBD und THC sind also pflanzliche Inhaltsstoffe und können unter anderem auch im medizinischen Alltag die schulmedizinische Therapie unterstützen. Bei einigen Erkrankungen braucht CBD jedoch Zeit, bis es sein volles Wirkspektrum entfalten kann, wie etwa bei Entzündungen. Dies bedeutet, dass es regelmäßig – also täglich – eingenommen werden muss. In manchen akuten Fällen kann es aber auch sofort wirken, wie zum Beispiel bei Migräne. THC zeigt in klinischen Studien im Vergleich zu Placebos eine hohe Wirksamkeit bei Krebspatienten, um die hervorgerufene Übelkeit durch die Chemotherapie zu behandeln. Außerdem wurde ein positiver Effekt bei Aids-Patienten in Bezug auf Appetit und Gewichtszunahme gefunden. 

Die Cannabinoide können daher auch die schulmedizinische Therapie unterstützen, jedoch nicht ersetzen, es handelt sich dabei um eine Zusammenarbeit der schulmedizinischen Therapie und der Naturheilkunde. 


Cannabidiol

Tetrahydrocannabinol

Keine psychotropische Wirkung

„High-Gefühl“

Überdosierung gibt es im klassischen Sinn nicht

Cannabispsychosen in Form von Verwirrtheitszuständen möglich

Wirkt beruhigend

Wirkt, je nach Dosis, sedativ

Wirkt angstlösend und entzündungshemmend


Dient zur Unterstützung bei der Behandlung von Krebserkrankungen

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