Kren – zum Weinen gut

Viele Tränen wurden wegen ihm vergossen, so manche Erkältung und Blasenentzündung im Keim erstickt.

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Von Mag.a Ines Siegl


Viele Tränen wurden wegen ihm vergossen, so manche Erkältung und Blasenentzündung im Keim erstickt. Wir würdigen die Heilpflanze des Jahres 2021 im Porträt.

Heilpflanzen mit antibiotischen Inhaltsstoffen gibt es viele, man denke an Zwiebel, Knoblauch und Kurkuma. Sie geben Gerichten eine interessante Note und wirken ganzheitlich positiv auf Verdauung und Immunsystem. Würde die Pharmaindustrie dergleichen Wundermittel verkaufen – wir wären wohl skeptisch. Doch die Natur bringt es zustande, hochkomplex aufgebaute Wirkstoffe zu erschaffen, die in ihrem natürlichen Verband optimal ausgewogen wirken und vielseitig einsetzbar sind. Kren oder Meerrettich ist genau so ein Fall – eine altbewährte Naturarznei, so scharf wie ein Schweizer Taschenmesser.

Herkunft und Ursprung

Meerrettich stammt ursprünglich aus dem Wolga-Donau-Gebiet und verbreitete sich ab dem frühen Mittelalter in Zentraleuropa. Seine Heilwirkung soll bereits in der Antike geschätzt worden sein. Heute ist er nahezu überall in Europa heimisch und wird als Gewürzpflanze kultiviert. Der in Österreich, Süddeutschland und Südosteuropa verwendete Name „Kren“ lässt sich angeblich vom slawischen Wort „krenas“ (weinen) ableiten. Der lateinische Name „Armoracia rusticana“ kann hingegen übersetzt werden mit „am Meer wachsend“ und „ländlich, bäuerlich“. Woher die deutsche Bezeichnung Meerrettich stammt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Manche Quellen meinen, „Meer“ deutet auf die ferne Herkunft hin, andere verweisen auf „Mähre“ (alte Bezeichnung für Pferd), da Kren auf Englisch „Horseradish“ genannt wird (Pferderettich). „Meer“ kann aber ebenso für „groß“ stehen, was den Meerrettich schlicht zum „großen Rettich“ macht.

Pflanze

Kren ist eine winterharte Staude aus der Gattung der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) und wächst zwischen 50 und 125 cm hoch, bei gut durchwurzelbarem Boden auch bis zu 2 m. Von intensivem Duft sind die kleinen weißen Blüten, die von Mai bis Juli traubenförmige Blütenstände bilden und zu kleinen kugelförmigen Früchten werden. Imposant sind die langstieligen Blätter, die teils direkt von der Wurzel austreiben, bis zu 1 m lang werden und kräftig gekerbt sind. Der Stängel ist innen hohl und mit kleineren Blättern besetzt. Für den Anbau interessant ist vor allem die Pfahlwurzel. Sie erreicht in der Regel eine Länge von rund 30 bis 40 cm, seltener bis zu 60 cm, bei einem durchschnittlichen Durchmesser von 3 bis 4 cm. Außen ist die Wurzel unregelmäßig gelb-bräunlich gefärbt, innen ist sie weiß und faserig.

Inhaltsstoffe

  • Vitamin C, B1 und B2 
  • Mineralstoffe (Natrium, Kalium, Eisen, Phosphor, Kalzium und Magnesium)
  • Flavonoide (Quercetin)
  • Glucosinolate (Senfölglykoside; werden beim Zerkleinern vom Enzym Myrosinase in Senföle aufgespalten)

Wirkung

  • appetitanregend, verdauungsfördernd und -regulierend (erhöht Magensaftsekretion)
  • krampflösend, schmerzstillend und durchblutungsfördernd
  • antibiotisch (bei Bronchitis, Sinusitis, Husten, Erkältung, Nieren- und Harnwegsinfektionen)
  • schleimlösend (bei Infektionen der oberen Atemwege)
  • antimikrobiell und antibakteriell 
  • antioxidativ 
  • harntreibend
  • entgiftend und blutreinigend
  • erhitzende Wirkung (auch als Aphrodisiakum einsetzbar)

Lagerung und Zubereitung

Die Krenstange zuerst schälen, senkrecht zur Reibfläche halten und vielmehr „reißen“ als reiben, da sie sonst fasert. Aroma und Schärfe sind sehr flüchtig – daher am besten frisch genießen. Ungeschält und im Ganzen lässt sich die Wurzel in ein feuchtes Küchentuch einschlagen und bis zu 2 Wochen im Kühlschrank lagern (Gemüsefach). Aufgrund seiner guten Lagerfähigkeit ist Kren ganzjährig als Frischware im Handel erhältlich. Auch wird er bereits gerieben und aromageschützt im Glas angeboten. Lediglich fürs Trocknen eignet sich Meerrettich nicht, da die flüchtigen Öle verfliegen und damit auch der typische Geschmack und die Wirkstoffe.

Über den heilsamen Effekt hinaus kombiniert sich Kren kulinarisch traditionell mit Brettljause und darf auch auf keiner Ostertafel fehlen. Warmen Gerichten, wie gekochtem Rindfleisch, gibt er seine besondere Note in Form von Apfel- oder Semmelkren, zu Lachs passt Sahnekren, zu Wild wird Kren mit Preiselbeeren gereicht und am Würstelstand kommt er obligat zu Würsteln mit Senf.

Dosierung und Kontraindikation

Die Tagesdosis für einen Erwachsenen liegt zwischen 10 und 25 g der frischen Wurzel, empfehlenswert sind 20 g. Eingenommen wird in der Regel der frische Kren, seltener Frischpflanzensaft. 

Aufgrund der enthaltenen Senföle hat Meerrettich (schleim-)hautreizende Eigenschaften. Bei Magen- oder Darmgeschwüren, entzündlichen Darm- oder Nierenerkrankungen ist von der Anwendung abzusehen. Auch bei Menschen mit Schilddrüsenproblemen ist die Einnahme von Kren nicht empfehlenswert, ebenso sollten Kinder unter 4 Jahren Meerrettich meiden.

Rezepte

Mit Honig gegen Bronchitis: Ein ca. 5 cm langes Stück Krenwurzel reiben und mit 4 EL Honig in ein Schraubdeckelglas geben. Die schleimlösende und entzündungshemmende Mischung im Kühlschrank aufbewahren und zweimal täglich 1 TL einnehmen.

Harntreibender Meerrettichwein: Bei Harnwegsinfekten oder Blasensteinen 10 dünne Scheiben Kren in einem Glas mit 100 ml Weiß- oder Rotwein übergießen und den Ansatz über den Tag ziehen lassen. Am Abend schluckweise trinken.

Durchblutungsfördernde Auflage bei Muskelschmerzen: Ein Leintuch mit frisch geriebenem Kren bedecken und auf die schmerzende Stelle auflegen, mit einem Tuch abdecken und 5–10 Minuten einwirken lassen. Direkten Hautkontakt meiden – es kann zu Irritationen kommen.

Immunstärkende Kur: 2 Wochen lang morgens und abends jeweils 1 TL frisch geriebenen Kren einnehmen, um Erkältungen vorzubeugen.

Meistertonikum: Dieses Rezept datiert angeblich zurück bis ins Mittelalter, wirkt antibakteriell, hat starke antivirale und antimykotische Eigenschaften, reinigt das Blut, erhöht die Durchblutung des Körpers und den Lymphfluss und findet auch bei Candida Einsatz. 

Zutaten: 700 ml Apfelessig, ¼ Tasse fein gehackter Knoblauch, ¼ Tasse fein gehackte Zwiebeln, 2 frische Chili (die schärfsten, die zu bekommen sind – Handschuhe tragen!), ¼ Tasse geriebener Ingwer, 2 EL frisch geriebener Meerrettich, 2 EL Kurkuma-Pulver oder 2 Kurkuma-Wurzeln (färben stark!); 

Zubereitung: Alle Zutaten außer dem Apfelessig mischen und in ein großes Glasgefäß geben (ca. 1,5 l). Mit Apfelessig auffüllen, gut verschließen und schütteln, für 2 Wochen an einen kühlen und trockenen Platz stellen und dabei mehrmals täglich schütteln. Die Flüssigkeit nach 14 Tagen abgießen, dafür die Zutatenreste (Trester) gut auspressen und den Heilessig in dunkle Flaschen abfüllen. Der Trester lässt sich als Würze verwenden. Dunkel gelagert ist das Meistertonikum lange haltbar. 

Dosierung: Prophylaktisch 1 Esslöffel am Tag unverdünnt einnehmen, bei akuten Symptomen 1 EL 5- bis 6-mal am Tag. Vorsicht: Der Geschmack ist sehr intensiv und scharf! Wem das zu viel ist, kann das Meistertonikum ins Salatdressing mischen.

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